Gebäudesanierung

Was einfach klingt braucht viel Fingerspitzengefühl und noch mehr Knowhow. Denn Fehler passieren schnell und Kosten neben Zeit und Nerven auch viel Geld. Wärmebrücken, Feuchte und Schimmel sind nur einige der Erscheinungen welche Bauende vermeiden sollten.

Feuchtigkeit kann von überall kommen, von aussen sind es meist Risse oder ungenügend angebrachte Feuchtigkeitssperren aber auch Rohrbrüche und fehlende Dämmungen im Kondensationsbereich. Von innen können es Menschen, Bäder / Duschen und Küchendämpfe sein. Bei Neubauten ist manchmal eine (noch) feuchte Bausubstanz ein Thema. Oft tritt Feuchte auch in Zusammenhang mit Wärmebrücken auf. Fensteranschläge, Rollladenkästen, Haustüren, Tür- und Fensterdichtungen aber auch Heizkörpernischen und -befestigungen können problematisch sein. Und auch hier kondensiert schlussendlich im Raum vorhandene Luftfeuchtigkeit und führt im schlechtesten Fall zu Schimmelpilzbildung.

Bei etwa 250 000 verschiedenen Schimmelpilzarten, verliert dann auch ein Fachmann den Überblick. Diese reichen von weniger bis zu sehr gefährlichen Gattungen und sind langfristig eine Belastung und Gefahr für das menschliche Immunsystem. Die Folge ist u.a. eine höhere Anfälligkeit auf Erkältungen bei Erwachsenen bis hin zu ernsten Problemen wie einem Lungenkollaps bei Kindern.

Bei einer Sanierung sollte daher zuerst der Istzustand genaustens dokumentiert werden. Bekannte Wärmebrücken müssen rechnerisch dargestellt werden, um später in die Sanierungsempfehlung einfliessen zu können. Hier ist besonders beim Selbermachen Vorsicht geboten, allzu oft stolpert man hier über wichtige Punkte und baut sich den nächsten Schwachpunkt gleich selbst ein.

Eine Vorgehensempfehlung

Im Idealfall holt mach sich vor der Sanierung einen Energieberater als Unterstützung zur Hilfe. Mit einem fundierten Grundlagenbericht ist auch beim Eigenbau das Risiko kleiner. Mit Wärmebildern können Wärmebrücken in den Wintermonaten ideal untersucht und aufgezeigt werden. Mit einem Gebäudeenergieausweis GEAK® erhält man neben einer Handlungsempfehlung (Beratungsbericht) auch ein Mittel, um später Fördergelder beantragen zu können. Denn ab einer Fördersumme von 10 000 CHF setzen diesen, die Kantone heute voraus.

Bei der Sanierung ist es grundsätzlich ratsam, sich zuerst mit der Gebäudehülle zu befassen: Dach, Fenster und Türen aber auch Fassaden- und Bodenflächen haben Vorrang. Eine Dämmung bringt den Energieverbrauch langfristig auf ein tieferes Niveau und spart so Energie und Geld.

Dächer und Böden können häufig von innen gedämmt werden. Bei Dachflächen ist ein Einbau von einer Solar- oder Fotovoltaikanlage eine Überlegung wert. Fassaden sollten von aussen gedämmt werden: Hier bietet sich zum Beispiel eine hinterlüftete Fassade oder aber eine Kompaktfassade an. Fenster und Türen schützen Ihr Zuhause nicht nur nachhaltig vor Kälte, sondern auch vor Lärm, Witterung und Einbruch.

Materialwahl beachten

Damit ist bereits das nächste Stichwort gefallen: Nachhaltigkeit. Besonders bei der Sanierung bietet sich die Möglichkeit, nicht erwünschte Materialien wie Asbest zu entfernen und gegen ökologisch unbedenklichere Materialen zu ersetzen. Aber auch bei der Wahl der Dämmung sollte heute zumindest einmal die Empfehlungen von eco-bau.ch einmal durchgelesen und sich Gedanken gemacht werden was überhaupt neu eingebaut werden soll. Denn auch hier gibt es Stoffe, die uns besser bekommen und solche die dies nicht tun.

Die Technik am Schluss

Nach der Gebäudehülle folgt der Energieverbrauch: Der Mensch braucht Wasser, Luft, Strom und Heizenergie, doch wo können wir wie sparen? Etwas einfacher ist es beim Strom: Steigt ein Gerät aus, kann man es gegen ein A-Label Gerät ersetzen. Glüh- und Halogenleuchten sollten heute gegen moderne LED-Leuchten ersetzt werden. Lüfter aber auch Lampen können geregelt werden. Feuchte- aber auch Präsenzsensoren helfen so Energie zu sparen. Wasser kann durch Spardüsen und moderne Apparate reduziert werden.

Bei der Heizungssanierung sollten heute mehrere Gesichtspunkte betrachtet werden, zum einen ist die Investition immer ein Thema: Langfristig sind die günstigeren Lösungen aber meist die teureren. Die Unterhalts- und Energiekosten sollten mal für 10 Jahre im Voraus berechnet werden, und die Systeme dann verglichen werden. Meist reicht dies bereits aus, um zu sehen welches System besser wirtschaftet. Über eine Lebensdauer von 20 Jahren betrachtet, bringen diese Systeme dann Gewinn.

Ein weiterer Punkt ist, mit dem kommenden CO2-Gesetz, den Weg von fossiler Energie hin zu erneuerbarer Energie zu beschreiten. Neben Holz und Wärmepumpen gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten, welche heute zur Verfügung stehen und situativ interessant sein können.

Ist die Gebäudehülle richtig saniert, geht einem die Luft aus. Dies ist jetzt natürlich etwas überspitzt ausgedrückt. Aber es stimmt, dass der Luftwechsel in einem undichten Altbau einfacher zu gewährleisten ist wie in einem dichten Neubau. Wasser nehmen wir heute wie Nahrung als Lebensmittel wahr, dass aber auch Luft zu den für uns wichtigsten Lebensmitteln zählt sind wir uns nicht bewusst. Je dichter und energiebewusster wir bauen, um so mehr rückt die Luft als Nahrungsmittel in den Fokus.

Kein beliebtes Thema – aber wichtig

In einem wirklich dichten Bau 10 Minuten zu lüften ist zwar in Ordnung, aber wirklich besser wird die Raumluft dadurch noch nicht. Im Gegenteil: Ein manuell gelüfteter Raum verliert bis zu 15-mal mehr Energie wie ein kontinuierlich belüfteter Raum. Durch die Wärmerückgewinnung in einer kontrollierten Wohnraumlüftung wird die Wärme nicht einfach durch das Fenster gelassen, sondern zuerst die wertvolle Energie an die zugeführte Luft übertragen. Moderne Lüftungsgeräte gewinnen dabei nicht nur die Wärme, sondern auch die Feuchte wieder zurück.

Mit einer kontinuierlichen Lüftung sind wir auch wieder bei den Bauschäden und Schimmelpilzen. Durch die hohe Luftwechselrate werden diese nämlich vermieden. Die Luftqualität steigt und damit auch die Qualität unseres Lebensraumes. Ein häufiger Einwand, welcher genannt wird, sind die Geräusche. In der Praxis ist aber eine richtig gebaute und dimensionierte Wohnraumlüftung nicht zu hören, mit einer Ausnahme: Wird das Lüftungsgerät in den Party-Modus geschalten, darf die Lüftung wahrgenommen werden.

Das Ende ist der Anfang

Ist eine Anlage fertig saniert, muss der Fokus auf das Einregulieren und Optimieren gelegt werden. Besonders in der frühen Phase nach dem Bau ist dieser Hebel am grössten. Hier hilft es Werte aufzuzeichnen und zu vergleichen. Es gibt viele Variablen, welche in den ersten Jahren die berechneten Werte noch beeinflussen. Bei einem Neubau z.B. ist der Energieverbrauch in den ersten 1-2 Jahren noch bis 20% höher durch die Baufeuchtigkeit. Daher ist hier eine zusätzliche Expertenmeinung teilweise hilfreich und ratsam.

Minergie – eine Option auch bei Sanierungen

Minergie ist heute ein Standard in der Baubranche. Dabei kann nach Minergie, Minergie-P oder Minergie-A gebaut werden. Ein nach Minergie saniertes Gebäude braucht in der Regel drei bis fünf Mal weniger Energie als vorher. Mit dem Zusatz ECO lassen sich noch höhere Gesundheits- und Umweltstandards sichern. Wird Geld in eine vernünftige Sanierung investiert und der Standard erreicht, lohnt es sich das Gebäude in aller Konsequenz auch zu zertifizieren. Das Label ist schweizweit anerkannt und lässt auf eine hohe Bauqualität schliessen. Dies kann auch bei einem späteren Verkauf der Liegenschaft in Pluspunkt sein.